Sonntag, 29. Januar 2006

Spielberg kanns noch

München Deutsches FilmplakatNach der Enführung und Ermordung 11 israelischer Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München, entscheidet sich die israelische Regierung dazu, die Hintermänner des Attentats zu liquidieren. Hierzu wird der Mossad-Agent Avner Kauffman (Erica Bana) zusammen mit vier weiteren Agenten beauftragt, nach Europa zu reisen und 11 Männer zu töten.


Die "Operation Zorn Gottes" läuft erfolgreich an, doch schon bald steht das Team sowohl vor logistischen als auch moralischen Problemen...

Der Ausnahmeregisseur Spielberg schafft in seiner Darstellung des Nahost-Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern die schwierige Gratwanderung zwischen Anklage und Nachvollziehbarkeit, zwischen Moral und Emotion, indem er die Schuldfrage vermeidet. MÜNCHEN stellt den klassischen Prozess einer Gewaltspirale dar, an deren Ende keiner Gewinner, keiner Verlierer, keiner Schuldiger oder Unschuldiger sein kann.

Muenchen2Dieses so trivial erscheinende Konzept beeindruckt vor allem deshalb, weil Spielberg selbst Jude ist und in erstaunlich kritischer Weise mit der Vergangenheit Israels umgeht. Einen Palästinenser zu töten fällt schwer, wenn man zuvor noch nett mit diesem auf dem Balkon geplaudert oder dessen kleine Tochter vor Augen hat. Noch dazu, wenn eindeutige Beweise für dessen Mitwirken am Anschlag von München fehlen. Beeindruckend ist weiterhin, wie konsequent Spielberg dieses Konzept verfolgt. An wirklich keiner Stelle des Films kann man ihm vorwerfen Partei zu ergreifen.

An vielen Schlüsselszenen wird der moralische Zwiespalt deutlich. Gleich zu Beginn muss sich Avner Kauffman entscheiden, ob er seine schwangere Frau oder sein Land im Stich lässt. Kann er Louis (Mathieu Amalric) vertrauen oder benutzt dieser ihn nur? Soll er das "Zielobjekt" auch dann töten, wenn durch die Explosion Unschuldige ums Leben kommen? Sehr gelungen: der moralische Konflikt eventuell Unschuldige zu töten und/oder die Gesetze des Staates Israel zu brechen geht nicht von Hauptdarsteller, Identifikationsfigur und Sympathieträger Kauffman aus. Im Gegenteil, dieser stellt sich als vielleicht skrupellosester Agent von allen heraus. Die weiteren Teammitglieder sind glaubwürdige Charaktere, deren Rollen sich nicht auf das Bauen von Bomben oder Fälschen von Pässen bechränken.

Das moralische Dilemma kulminiert in einer Szene, in der Kauffman und sein Team ihr Quartier in Athen notgedrungen mit einer islamischen Terrorgruppe (oder auch nur ein "Team" staatenloser Agenten?) teilen. Im Mikrokosmos dieses Quartiers ist ein friedliches Zusammenleben der Konfliktparteien möglich. Es herrscht sogar eine gewisse Sympathie, was man daran erkennt, dass Kauffman das Leben des islamistischen Anführers Ali (Omar Metwally) schonen will. Als es dann jedoch hart auf hart kommt, zögert keiner der beiden auf den anderen zu schießen.

Diese Szene ist sicherlich etwas plakativ gehalten, zeigt jedoch beispielhaft, wie MÜNCHEN funktioniert. Geht es um den einzelnen Menschen, treten die religiösen Differenzen in den Hintergrund, nur um dann unter dem Schirm des Völkerkonflikts in unverminderter Härte wieder auszubrechen.

Muenchen3Für diese Härte findet Spielberg teils drastische Bilder, die jedoch im Kontext des Films (wie schon in Schindler's Liste) gegen Vorwürfe weitgehend immun sind, weil sie anklagen, wachrütteln, schockieren und verändern wollen.

Handwerklich bietet MÜNCHEN kaum Angriffsfläche. Die frühen 70er Jahre sind eindrucksvoll in Szene gesetzt, die wenigen Actioneinlagen funktionieren hervorragend. Angenehm fällt der Score von Spielbergs Hauskomponist John Williams auf, der in MÜNCHEN für Gänsehaut sorgt und sich vom sonst oft ähnelnden Restwerk des Musikers abhebt.

MÜNCHEN ist geprägt von einem fast dokumentarischen Charakter. Somit verwundert es kaum, dass der Film seine Darsteller und auch den Zuschauer etwas ratlos zurück lässt. Ein Schriftzug am Ende weist lediglich darauf hin, dass 9 der 11 mutmaßlichen Drahtzieher von München ermordet wurden. Spielberg selbst ist ratlos und macht daraus auch keinen Hehl. Eine Lösung hat er nicht, aber eine Meinung. Gewalt und Gegengewalt können niemals zu Frieden führen - Vielleicht kann man angesichts der anhaltenden Morde auch nur ratlos sein.

München
Frei ab 16
Laufzeit: ca. 160 Min.
Wertung: 9 von 10

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